Donnerstag, 5. März 2009

Verzweiflung und Erfolge

Essstörung war für mich vor meiner Schwangerschaft nie ein Thema. Doch plötzlich konnt ich nichts mehr essen, hab alles erbrochen bis zum Schluß. Sogar im Kreissaal hab ich erbrochen, am Tag danach auch noch, da ich mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen hatte. Vomex ist mein Freund!

Jetzt macht Emelie so weiter. Seit ihrer Impfung trinkt sie richtig schlecht nur noch in 10 ml Etappen, es ist so nervig, dass ich gar nicht mehr dran denke die Mengen aufzuschreiben. Die Impfung ist jetzt genau eine Woche her. Gestern war es wirklich zum heulen, ich pumpe jede Menge ab (es ist nicht wirklich viel, aber es ist immer mehr als sie trinkt) und Emelie will nichts trinken. Sie schreit zwar plötzlich auf und zwar richtig laut, trinkt aber dann nur 20 ml und das wars. Dabei hatte ich extra gewartet bis sie sich meldet, schließlich will ich ihr nicht das Hungergefühl kaputt machen. Aber unser kleine Maus meldet sich eher für Pipi und Kacka als fürs Essen.
Gestern abend war dann für uns gestresste Eltern ein Konzertbesuch angesagt. Ich war schon so verzweifelt wegen dem Essen, dass ich gar nicht wusste ob ich dahin gehen soll. Der Babysitter hat mich allerdings überredet zu gehen, da es mir ja nur guttun würde und wir beide, Emelie und ich, davon nur Nutzen haben werden. Also bin ich gefahren, mit mulmigem Gefühl im Bauch und etwas angespannt, aber das hat sich nach 2 Songs gelegt und ich konnte mich an dem Konzert erfreuen. Ich hatte zwar die ganze Zeit das Handy in der Hand, da der Empfang so schlecht war und ich ein Klingeln auf keinen Fall verpassen wollte.
Man kann nichts erkennen und das liegt bestimmt nicht daran, dass Anett Louisan so klein ist :)

Auf jeden Fall hat die kleine Nudel dann mal schön getrunken 120 ml, nicht an einem Stück, in 30 ml Etappen (also immer mit "Zubereitung" dazwischen - Mumi, Zusätze rein und erwärmen). Sie hat wohl mehrere Male geweint weil sie Kacka musste, das war so eindeutig, dass der Babysitter das sogar verstanden hat. Leider war sie nicht schnell genug, aber Emelie lernt das bestimmt auch noch ein bisschen zu warten. Und der Babysitter wird ja auch mal routinierter, dann klappt das bestimmt, da bin ich sicher. Klasse, oder? Ich bin richtig stolz und freu mich total, dass die Beiden sich "verstehen". Beim dritten Mal schreien war es dann der Hunger und sie hat gut getrunken. Das hat zwar die Tagesmenge nicht mehr wirklich retten können... ach was sag ich da... dadurch kam sie dann wenigstens auf 300 ml am Tag.

Heute konnte ich auf jeden Fall mal wesentlich entspannter an die Sache rangehen und meine Maus hat heute morgen ziemlich rasch ihre 100 ml weggetrunken. Dann geschlafen und bei der Krankengymnastik richtig toll mitgemacht. Ich war hin und weg. Sie lag da auf dem Bauch und hielt das Köpfchen als wäre es nichts. Sie hat zwar ordentlich gestöhnt, aber nicht geweint dabei hat sie eine halbe Stunde gearbeitet. Danach war sie natürlich erschöpft und hat geschlafen. Alos kann das mit dem nicht Trinken wollen nicht das Herz sein, sonst würde sie ja auch nicht turnen können, das ist ja auch anstrengend.
Nach dem Sport und ner guten Runde Schlaf war ich gerade am abpumpen als sie wach wurde. Es konnte Hunger sein, also hab ich sie einfach mal angelegt und sie hat gesaugt, ganz ohne Stillhütchen. Leider war die Brust schon so gut wie leer, da hab ich auf der anderen Seite angepumpt zur Nippelvorbereitung und sie hat wieder angesetzt. Das hat dann aber nicht mehr so gut geklappt (auch mit Hilfe eines Stillhütchens hat sie ärgerlich geschrien).
Ich hab trotzdem fast geheult vor Freude :)
Sie musste dann noch Medikamente nehmen, also hab ich ihr ein Fläschchen fertig gemacht, da hat sie dann noch 40 ml getrunken. Da es so gut lief und ich ja nicht wusste wieviel sie von der Brust getrunken hat, hab ich noch was erwärmt und sie hat davon nochmal 30 ml getrunken. Dann war es wohl doch durch die Impfung und der Stress durch den Besuch bei meinen Schwiegereltern, von dem ich noch gar nicht erzählt habe.
Dazu kann ich nur sagen: es war schön, anstrengend, stressig, und nervig.
Schön, da wir viele Freunde getroffen haben und dort endlich mal unser kleines Geheimnis loswerden konnten :) Ich hab bisher noch nicht so oft (in diesem kurzen Zeitraum) Leuten vom Down Syndrom unserer Tochter erzählt. Am Ende war es aber sehr befreiend, schließlich sind es Freunde und man macht sich dann nicht mehr die Gedanken wie sie wohl reagieren werden. Aber wir wollten es ja unbedingt persönlich mitteilen.
Anstrengend, weil es mit einer 5-stündigen Fahrt verbunden war. Zwischendurch haben wir natürlich Pausen gemacht um Emelie zu füttern und sie mal aus der beengenden Babyschale zu befreien.

Das klappt sogar unterwegs - Im Wickelraum eines Rasthofs.

Nervig, da die Eltern so unflexibel, stur und ständig nur am Jammern sind. Außerdem haben die schon wieder die Diskussion Amniozetese zur Sprache gebracht. Diesmal war ich sehr deutlich, dass es da für mich nichts zu diskutieren gibt und wir bitte ein anderes Thema besprechen sollen von dem wir mehr Nutzen haben.
Stressig, weil Emelie eben die ganze Zeit schlecht getrunken hat und wir den Eltern meines Mannes den Herzfehler verschwiegen haben bisher. Alle Symptome werden mit dem Down Syndrom erklärt.

Hier noch ein älteres Bild, das ich gerade auf meinem Handy gefunden habe. Ich nenne es: "Der Wächter"

3 Kommentare:

  1. Hallo Sophia,

    ich denke, das habt ihr richtig entschieden, die Katze aus dem Sack zu lassen und es (=DS) euren Freunden mitzuteilen. Haben deine Schwiegereltern noch nichts gewußt? Scheint sie arg geschockt zu haben. Wir sind nach der Diagnose ganz offensiv damit umgegangen und haben das gleich in unserer Geburtsmail reingeschrieben. Eine gute Freundin von mir, die mich gleich im KH besucht hat, war jedoch dann selber so geschockt, dass sie bei ihrer Schwangerschaft richtige Panik hatte und unbedingt eine Amniozentese machen wollte, was sie jetzt auch gemacht hat. Aber irgendwie ist der Wurm drin in unserer Beziehung. Da bei ihr "sowas"(=Benjamin) nicht vorkommen soll, kann ich ihr alles, was sie über Benjamin sagt, nicht glauben. Denn in ihren Augen ist er eben nicht okay. Tja, das finde ich schade.
    Halt die Ohren steif!

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  2. Liebe Sophia,
    das schlägt dem Fass den Boden aus!! Man kann über Amnio -theoretisch- ja denken was man will, aber im Nachhinein und in Anwesenheit dieses zuckersüßen kleinen Wesens und seiner
    es liebenden Eltern seine Lebensberechtigung in Frage zu stellen finde ich unverschämt, herzlos, grausam.

    Kein Wunder, dass es der Maus auf den Magen geschlagen ist!

    Was sagt eigentlich der Kinderarzt zu den Trinkmengen, sieht er das ganz entspannt?

    Annett Louisan finde ich übrigens auch klasse. Schön, dass Ihr Euch das gegönnt habt.

    Liebe Grüße - Alex

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  3. Hallo Bettina,

    also meine Schwiegereltern wissen vom Down Syndrom. Den Herzfehler haben wir verschwiegen, da der Vater nach einem Schlaganfall nicht mehr so fit ist und Pflege braucht. Dementsprechend ist die Stimmung schon sehr schlecht dort.

    Das mit der schwangeren Freundin kann ich nachvollziehen. Wir haben in Wernigerode auch eine Bekannte getroffen die in der inzwischen 20. Woche schwanger ist. Ich sehe sie zu selten um ihr direkt vom DS zu erzählen, außerdem hab ich da Hemmungen, da ich ihr keine Angst machen will. Bisher sind wir wirklich nur auf positive Reaktionen gestoßen, wobei ich sagen muss, dass wir schon vor einer Weile unseren Freundeskreis reduziert haben, aufgrund anderer Kriterien. (Man hat so wenig Zeit, dann muss man die nicht noch mit Leuten vergeuden die nicht zu einem stehen.) Die die mit Emelie nicht klarkommen, werden dann eben auch in Vergessenheit geraten. Aber wie gesagt, bisher war das nicht so.

    Das Thema Amniozentese kommt öfter als mir lieb ist auf den Tisch, da bin ich auch ganz deiner Meinung. Bei Toms Eltern hab ich jetzt aber mal sehr barsch gesagt dass ich davon nichts mehr hören will. Emelie ist schließlich ein Wunschkind. Und wenn es von Anderen angesprochen wird, sag ich nur: Und was nützt mir das jetzt. Ich bin froh nicht vor die Wahl gestellt worden zu sein.

    Hallo Alex,
    für den Kinderarzt sind die Trinkmengen natürlich zu wenig deswegen setzen wir schon was zu. Allerdings hatte Emelie bei der letzten Kontrolle ja ausreichend zugenommen. Sie hat erst nach der Impfung angefangen richtig schlecht zu trinken. Inzwischen klappt das wieder ganz gut.
    Sie kann aber auch einfach nicht mehr trinken. Wenn sie einmal mehr trinkt geht später eben weniger. Sie hat gestern abend zum Beispiel noch richtig viel getrunken, dafür dann heute morgen nicht so viel. Sie war auch total erschöpft.

    Liebe Grüße
    Sophia

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